| |
|
|
Die Geschichte der Seemannsmission Brunsbüttel |
|
| Von Pastor i.R.
Ernst-Ulrich Binder |
|
|
Schleswig-Holstein, das Land zwischen Nord- und
Ostsee, lebt seit Jahrhunderten mit dem Meer und von dem Meer.
"Seefahrt ist Not!" In vielen Kirchen sehen wir heute noch die
Modelle von Schiffen, auf denen die Männer hinausfuhren auf die
weite See (Votivschiffe = Zeichen der Verbundenheit mit den
Seeleuten); so wurden die Seeleute hineingenommen in die Gedanken
und Gebete der Gemeinde. |
|
|
Die vielen zur See fahrenden Männer von den
nordfriesischen Inseln aus Husum, aus Büsum, aus Brunsbüttel hatten
ihren Heimatort und dort ihre Familie und eine Bleibe. Es gab aber
viele Seeleute ohne festen Wohnsitz an Land - " ihre Heimat ist die
See". Darum gab es in den großen Seehäfen, wie Hamburg und Bremen,
schon frühzeitig eine "Seemannsmission", welche Heime errichtete für
auf eine Heuer wartende, gestrandete, berufsunfähige, somit
hilfsbedürftige Seeleute. Schon 1913 gab es Pläne auch für ein Heim
in Brunsbüttelkoog, dem seit 1895 für die internationale Schifffahrt
bedeutenden Schnittpunkt von Elbe und Nord-Ostsee- Kanal (Kiel-Canal).
Über Ansätze und Pläne kam es nicht hinaus. Die beiden Weltkriege
verhinderten eine Realisierung. |
|
|
Erst nach dem 2. Weltkrieg, mit dem Wiederaufbau
einer deutschen Seeschifffahrt, konnte in Büsum ein Seemannsheim
errichtet werden, als gleichzeitiges Berufsschulinternat für
angehende Seeleute der Küstenfischerei. Die Einweihung des
"Fischereijugendheimes" 1953 unter der Flagge der Seemannsmission
war ein großer Tag für Büsum - zugleich die eigentliche
Geburtsstunde der "Deutschen Seemannsmission Westküste". |
|
|
Nachdem die Küstenfischerei ihre Anwärterausbildung
in Eckernförde zusammenfasste, das Fischereijugendheim einer neuen
Nutzung zugeführt wurde - heute Jugendherberge - folgte die
Seemannsmission einer Bitte der Schifffahrt, in Brunsbüttel ein Heim
für Seemannsfrauen und -kinder einzurichten. Auf der Schleuseninsel
im Nord-Ostsee-Kanal wurde es verwirklicht (Bekannt durch den Film
"4 Stunden v. Elbe 1" mit Helga Feddersen). In diesem
Seemannsfrauenheim wurde auf die Ehemänner und Väter gewartet, die
oft viele Monate auf See waren, in der Hoffnung auf eine kurze
Begegnung auf der Schleuse, vielleicht auch auf Mitfahrt durch den
Kanal. So hatten die Familien eine Unterkunft bis zum Eintreffen des
Schiffes, denn genaue Ankunftszeiten konnten oft nicht eingehalten
werden. Der telefonische Kontakt über Norddeichradio war umständlich
und teuer. Die Anzahl der deutschen Seeleute ging zurück und die
Seemannsmission entschloss sich, für Seemannsfrauen und -kinder
einen Warteraum im Schleusenleitstand einzurichten und
Übernachtungsmöglichkeiten im Dienstgebäude der Seemannsmission in
der Kanalstraße anzubieten. Das Seemannsfrauenheim musste verkauft
werden. |
|
|
Auch für Seeleute gab es zunächst am Südkai eine
behelfsmäßige Einrichtung, bis endlich im Jahre 1978 ein Haus in der
Kanalstraße zum Seemannsheim umgebaut werden konnte. Mithilfe der
Erbschaft einer in Amerika lebenden Brunsbüttelerin, die in den ihr
zugesandten Zeitungen von den dringenden Plänen für ein Seemannsheim
gelesen hatte, mit Hilfe größerer Zuschüsse aus Mitteln des Lottos
"Spie177", des Diakonischen Werkes und der Nordelbischen Ev.- Luth.
Kirche konnte das Haus erworben werden. Hier gab es nun endlich ein
echtes Seemannsheim. Ein Quartier für heuerlose Zeiten - unter enger
Zusammenarbeit mit der Heuerstelle. Hier konnten Seeleute ihre
persönlichen Sachen, die nicht mit an Bord kamen, unterstellen,
hatten eine Heimat. Adresse für Post und Nachrichten, konnten Geld
und Wertsachen aufbewahren lassen, auch einmal für wenige Tage
Urlaub machen. Ein Heim für Seeleute ohne festen Wohnsitz an Land! |
|
|
Im Zuge der Entwicklung der internationalen
Handelsschifffahrt wurden die Liegezeiten der Schiffe verkürzt, die
Besatzungen kommen aus vielen Nationen - der Bedarf verschob sich
zur Betreuung der Seeleute innerhalb weniger Stunden. Es wurde eine
clubähnliche Einrichtung notwendig. Mit Hilfe eines großen
Zuschusses der ITF¹ und aus Eigenmitteln konnte am 27. Mai 2001 das
heutige Seefahrerzentrum auf den Grundstücken Kanalstraße 8a und 10
errichtet werden. Alle Arbeitszweige der Seemannsmission sind nun
hier zusammengefasst, dazu gibt es weiter den Warteraum für
Seemannsfrauen auf dem Schleusenmittelhaupt. |
|
|
Die Seemannsmission Westküste bietet hier ein
Seemannsheim, ein Seemanns-Frauenheim, einen Seemannsclub und einen
zuverlässigen Besuchsdienst an Bord der anlegenden Schiffe. Im
Seefahrerzentrum werden alle willkommen geheißen, unabhängig von
Nationalität, Religion, Sprache oder Hautfarbe. Für ein paar Stunden
herunter vom Schiff, heraus aus der Vereinsamung an Bord, Telefonate
mit Familien zu Hause, Gespräche mit den Leuten der Seemannsmission,
Geldwechsel auch abends und an Sonntagen, Transport vom Seemannsheim
und zur Stadt: Eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit Kollegen von
anderen Schiffen ins Gespräch zu kommen, Billard zu spielen,
gemeinsam zu singen, Fernsehen... |
|
|
Auch bei den Bordbesuchen der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Seemannsmission geht es um vertrauliche Gespräche,
Hilfe bei dringenden Besorgungen und Behördengängen, Austausch von
Büchern... Auch erkrankte Seeleute werden im Hafenkrankenhaus
Brunsbüttel besucht. Beim Austausch von Besatzungen werden Fahrten
zum Flughafen organisiert. Eine Vielzahl von Aufgaben für die
Seemannsmission! |
|
|
So ist die Deutsche Seemannsmission Westküste
repräsentativ für die Menschen der Westküste Schleswig-Holsteins -
gastfreundlich, vorurteilsfrei, weltoffen! Support of seafarers'
dignity - Hilfe zugunsten der Würde der Seefahrer. |
|
|
¹ Die Abkürzung ITF steht für die
Internationale-Transportarbeiter-Förderation. Die ITF ist ein
internationaler Gewerkschaftsdachverband, welcher zurzeit 4.5
Millionen Beschäftigte des Verkehrssektors repräsentiert. Mehr über
die ITF erfahren Sie auf
www.itfglobal.org » |
|
|
|
|
|
|