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Logbuch

„Eigentlich schließt man in der Seemannsmission täglich neue Freundschaften, nur dass man nie weiß, ob und wann man sich wiedersieht.“

Lydia Schmidt über ihre Erlebnisse als FSJ-lerin in der Seemannsmission Brunsbüttel.

Dass nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr folgen sollte, stand schon lange fest. Aber wo? Bauernhof, Krankenhaus, Kindergarten oder Behindertenwerkstätten sind die Einsatzstellen, die so ziemlich jedem bekannt sind. Da ist die Seemannsmission schon ein echter Exot/Knaller und ich bin unglaublich froh, mein FSJ in der Seemannsmission in Brunsbüttel absolviert zu haben. 🙂

Dadurch, dass Sonja ihr FSJ verlängert, konnten Marian (FSJ-Kollege) und ich uns langsam an den Ablauf bei einem Schiffsbesuch gewöhnen. Begrüßung der Crew (je nach Zeit und Herkunft der Seeleute kann der Empfang sehr unterschiedlich ausfallen), Verteilung der zuvor ausgedruckten Zeitungen, Verkauf der Sim- bzw. Guthabenkarten, alle möglichen Fragen zu Brunsbüttel beantworten, Gespräche über Gott und die Welt und schließlich die Einladung, ab 17Uhr in den Club zu kommen.

Bei meinem ersten Schiffsbesuch ging es zusammen mit Sonja auf einen Tanker mit indischer Besatzung. Als wir uns über Musik unterhielten, griff ein Seemann zur Gitarre, sodass wir erstmal Lieder von den Beatles sangen. Trotzdem war ich bei meinem ersten Schiffsbesuch alleine aufgeregt, auch nichts zu vergessen. Hat ja aber alles geklappt. 😉

Nach den Schiffsbesuchen ging’s dann im Club weiter, der täglich von 17-22 Uhr geöffnet hat. Im Club können die Seeleute per Telefon oder Internet den Kontakt zur Familie und Freunden pflegen, sich Zeitschriften oder Bücher in ihrer Muttersprache mitnehmen, Billard, Tischkicker, Basketball, Tischtennis oder Fußball spielen, Fernsehen oder Karaoke singen. Bei Letzterem sind vor allem die Philippinos mit großer Begeisterung dabei. Außerdem gibt es einen sehr schönen Gebetsraum, in dem jede Weltreligion mit einem eigenen kleinen Tisch und den dazugehörigen Utensilien vertreten ist. In einem Shop im Club können die Seeleute Snacks, Getränke, Souvenirs und Hygieneartikel erwerben.

Ist im Shop gerade nicht viel zu tun, freuen sich die Seeleute, wenn man sich zu ihnen setzt, um zu schnacken. Dann erzählen viele vom Leben aufm Schiff, ihren Familien, Hobbies oder was sie für den Urlaub geplant haben. Die Atmosphäre im Club ist sehr familiär, was viele Gäste zu schätzen wissen. Da ich ein großer Tischkicker-Fan bin, habe ich natürlich oft mit den Gästen gekickert: Ein wildes Match mit einem Philippino, Polen und Briten, bei dem oft die Teams getauscht wurden, damit jeder mal gewinnt. Ein türkischer Seemann hat mal ein richtiges Training gemacht, da er-wenn er zu Hause ist- mit einem Freund an Tischkickerturnieren teilnimmt. Nach einer guten Stunde standen alle Seeleute um den Kicker, um ihn inbrünstig anzufeuern oder Tipps zu geben.

Solche Abende sind für Seeleute ein angenehme Abwechslung zum oft monotonen Alltagsleben an Bord. Man kann in die Seemannsmission kommen und ist einfach Mensch (der Rang an Bord spielt für einige Stunden keine Rolle), man sieht andere Gesichter als auf dem Schiff und erfährt Neuigkeiten von Zuhause.

Besonders haben sich die Seeleute über den Besuch von jungen FSJ-lern an Bord gefreut und oft bekommt man als Mädchen viele Komplimente. Zuerst war das für mich ein wenig merkwürdig, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. 🙂 Bei meinem ersten Heiratsantrag musste ich einfach lachen und wusste nicht so recht, wie ich richtig reagiere, ohne irgendwen vor den Kopf zu stoßen. Es hat sich dann bewährt, einen lockeren Spruch zu erwidern, sodass es für niemanden unangenehm, sondern lustig und locker ist. „Do you wanna marry me?“ – „How many wifes and children do you have already?“ – „Only 3 wifes and 5 children.“ – „Well, then it’s okay.“

Allerdings zählen zu den Tätigkeiten in der Seemannsmission nicht nur die Schiffsbesuche und der Clubbetrieb, sondern auch noch der Betrieb von 5 Zimmern für Ein- und Absteiger, die auf ihr Schiff oder ihren Flug warten. Je nach Flug und ETA (Anm. d. Red.: Estimated Time of Arrival) des Schiffes wird man dann nachts liebevoll von der Rufumleitung rausgeklingelt, um anreisende Seeleute reinzulassen. Wenn man mehrmals in der Nacht hoch muss oder mehrere Nächte hintereinander die Rufumleitung hat, kann es anstrengend werden, aber es lohnt sich auf jeden Fall auch diesen Spaß mitzumachen. Sonst hätte ich nie nachts mit Seeleuten in der Küche gesessen, geschnackt und Pizza gegessen. Solche Momente belohnen einen für den nächtlichen Einsatz.

Eigentlich schließt man in der Seemannsmission täglich neue Freundschaften, nur dass man nie weiß, ob und wann man sich wiedersieht.

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Als Seefahrer habe ich zusammen mit meiner Frau, die mich oft begleite, viel Gutes durch die Seemannsmission im Ausland erfahren. Nun geben wir etwas durch unsere Arbeit zurück.

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