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Logbuch

Ein schwieriger Anfang

Hans Bensiek (links) und Leon Meier im Gespräch über das Entstehen der Seemannsmission Brunsbüttel

Genau 50 Jahre besteht die Seemannsmission in Brunsbüttel. Erster Diakon war Hans Bensiek (86). Er kam 1965 nach Brunsbüttel mit dem Auftrag, sich um die Seeleute auf den Schiffen zu kümmern. 1970 verließ er zwar wieder die Schleusenstadt, um in Bethel psychisch Erkrankte zu pflegen. Doch sein Herz schlägt immer noch für die Seemannsmission Brunsbüttel.Wenn er, wie kürzlich, die Station mit Club und Heim an der Brunsbütteler Kanalstraße besucht, freut er sich, welche Entwicklung die Einrichtung genommen hat: von einem Seemannsheim in einer alten Lagerhalle hin zu einem modernen Seefahrerzentrum.

Als Bensiek 1965 als Seemannsdiakon von Amsterdam nach Brunsbüttel kam, stand er vor dem Nichts. Die kurze Einführung: „Sie sind jetzt hier. Sehen sie zu, wie sie die Sache in Gang bekommen.“ Räume gab es nicht. Seine Familie bezog ein Haus am Ulmenweg, von dem aus er seine Arbeit erledigen sollte, die zunächst hauptsächlich aus Besuchen auf den in den Schleusen und im Ölhafen liegenden Schiffen bestand. Erst 1967 kam der Elbehafen hinzu, der Hafen Ostermoor wurde 1978 eingeweiht.
„Ohne Räume, in denen sich die Seeleute aufhalten konnten, erwies sich die Arbeit als ziemlich schwierig“, erinnert sich Bensiek, der zuvor ein großes Seemannsheim in Amsterdam geführt hatte. Zudem gab es auf den Schleusen eine Heuerstelle. Für die Seeleute, die in Brunsbüttel an- oder abmusterten, fehlten aber Übernachtungsmöglichkeiten. Dem Diakon gelang es, eine alte Lagerhalle am Südkai anzumieten. Und da die Seemannsmission kein Geld hatte, startete er in der Brunsbüttelkooger Zeitung einen Aufruf, ausrangierte Möbel zu spenden.

Aufgrund der Residenzpflicht des Diakons am Ulmenweg waren die Seeleute nachts sich selbst überlassen. Ein unhaltbarer Zustand. Er heuerte deshalb einen ausgedienten Seemann aus Bremen an, der das Heim betreute. Dieser blieb acht Wochen. Danach übernahmen Seefahrer, die Bensiek aus seiner Amsterdamer Zeit kannte, wechselweise die „Nachtwächteraufgaben“. „Wir haben damals unter äußerst bescheidenen Bedingungen gearbeitet“, resümiert der 86-Jährige. Dennoch erlangten das Seemannsheim am Südkai und das Seemannsfrauenheim auf den Schleusen bald bundesrepublikanisch weit einen hohen Bekanntheitsgrad – nämlich durch das 1968 erstmals ausgestrahlte Fernsehspiel „Vier Stunden vor Elbe 1“ mit der Schauspielerin Helga Feddersen.

1970 verließ Hans Bensiek die Seemannsmission Brunsbüttel in Richtung Bielefeld, um neue Aufgaben in Bethel zu übernehmen. Sein Nachfolger wurde Walter Panzlau, der zwar vorhandene Strukturen übernahm, aber es nicht weniger schwer hatte. Denn die nordelbische Kirche verkaufte sowohl Seemannsfrauenheim als auch Seemannsheim. Als Ersatz fand der Diakon 1975 ein leer stehendes Haus an der Kanalstraße, das nach und nach saniert und zu einem Seemannsheim mit Übernachtungsmöglichkeiten für Frauen umgebaut wurde. Er legte damit den Grundstein für das heutige Seefahrerzentrum.

Allerdings: Auch seine Nachfolger – von 1985 bis 1991 Folkert Janssen, von 1991 bis 2002 Reinhild Dehning und seither Leon Meier – mussten wegen gekürzter Zuschüsse immer wieder um die Einrichtung kämpfen. Auch Panzlaus Arbeit war von Geldsorgen geprägt. Hinzu kam der sich zunehmend verschlechternde bauliche Zustand des Seemannsheims. Eine Sanierung war wegen Absackungen des Gebäudes nicht möglich. Die finanzielle Unterstützung der Internationalen Transportarbeiter Gewerkschaft ließ schließlich den Traum von einem Neubau Wirklichkeit werden. 2001 wurde das neue Seemannsheim eingeweiht und in ein modernes Seefahrerzentrum umgewandelt.

Seit den Zeiten von Hans Bensiek als Seemannsdiakon hat sich aufgrund der politischen und der Entwicklung in der Seeschifffahrt viel verändert. Das Seefahrerzentrum suchten Ende der 1960er-Jahre vor allem ausländische Seeleute auf. „Überhaupt ist der Typ Seemann ein anderer geworden. Mit Ausnahme des Kapitäns und der Offiziere heuerten damals häufig Männer ohne soziale Kontakte an, die es zudem an Land schwer hatten, einen Job zu finden“, erzählt der 86-Jährige. „Viele hatten noch nicht einmal ein Zuhause und wohnten bis zu zwölf Wochen bei uns.“

Heute stellt neben den Schiffsbesuchen der Seemannsclub einen wichtigen Bestandteil der Arbeit dar. Hier können die Besucher unter anderem Billard und Tischfußballspielen. Vor allem aber: Sie nutzen das Internet, um Kontakt zu ihren Familien aufzunehmen. Eines ist aber geblieben: Die Mitarbeiter der Seemannsmission sind Ansprechpartner – auch bei persönlichen Problemen der Seeleute.

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Anonym

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